• samtweich

Wenn aus Freunden Fremde werden.



Ich bin immer da, ich bin immer diejenige die du um drei Uhr nachts aus dem Bett klingelst, wenn es dir schlecht geht und du eine wärmende Umarmung oder ein offenes Ohr brauchst. Ich bin aber auch diejenige, die viel zu lange an Dingen, Menschen und Erinnerungen festhält, auch wenn ich bereits weiß, dass das Kapitel fertig geschrieben und das Buch geschlossen ist. Doch wann ist der richtige Punkt zu akzeptieren, dass Loslassen die richtige Entscheidung und kein Verlust ist? Ab wann ist es besser, etwas ziehen zu lassen?


Wenn ich zurückblicke und mich daran erinnere, wie ich teilweise durch mein Leben gestapft bin, ohne Rücksicht auf Verluste, muss ich ehrlicherweise gestehen, dass da wenig Raum nach links und rechts war. Ich setzte mir etwas in den Kopf, überlege und wäge ab, entscheide nach Kopf und Bauch und ziehe es dann durch. Aufgeben ist keine Option, Aufgeben ist ein Verlust und das bedeutet scheitern.


Ist Aufgeben wirklich Scheitern? Ist es nicht eigentlich eine Stärke zu akzeptieren, dass Entscheidungen überdacht und neu definiert werden sollten?

Dieser Gedanke prägt mein Leben und mein Umfeld. Ich kenne viele, doch die die bleiben sind eine Hand voll. Abgesehen von lebensverändernden Entscheidungen und anderen Vorstellungen, gehe ich viel zu oft davon aus, dass wir nicht nur an Ideen festhalten, sondern auch an Freundschaft.


Freundschaften.
Geheimnisse.
Offenbarung.

Freunde sind uns besonders in Coronazeiten extrem wichtig geworden. Wir konnten nicht mehr nur Bekanntschaften schließen und uns ablenken, sondern spazierten mit denen die wir lieben. Doch kaum ein halbes Jahr später sind sie weg.


Verschwunden, geghostet und ignoriert. Doch was ist passiert? Ich denke darüber nach, wieso Freunde auf ganz unerklärlicherweise zu Fremden werden, warum auf Nachrichten nicht mehr geantwortet wird. Es stellt sich also die Frage, ob es mit einem selber zu tun hat, oder evtl. der Entscheidung des Gegenübers. Viel zu oft schwanken wir und verzweifeln an dem Gedanken, was gesagt oder gemacht wurde. Doch manchmal sind es nicht wir, sondern das Leben der anderen Person.


Wir kreuzen uns und gehen ein Stück zusammen. Doch manchmal biegen wir ab und trennen uns wieder. 

Eine Nachricht, noch ein Anruf, noch ein Geburtstagswunsch und wieder - oft stecke wir fest und melden uns bei Freunden, die eines Tages nach links abgebogen sind und uns somit den Rücken zudrehten. Doch wie lange schwelgen wir in Erinnerung, wie oft sollten wir es wieder und wieder probieren.


Es ist kein Verbrechen, wenn du dich nicht noch einmal meldest, wenn du nicht mehr möchtest oder entscheidest, dass sich die Person melden sollte. Es ist ok wenn du eine Entscheidung ohne sie triffst.


Ich habe aufgehört mir darüber den Kopf zu zerbrechen, wieso und weswegen. Ich frage mich nicht mehr, wieso es manche Menschen aus deinem Leben löst und wieso aus Freunden Fremden werden.

Viel zu lange sagte mein Kopf, versuche es, gib dem Ganzen noch eine Chance, vielleicht war es der Zeit geschuldet, dass irgendwann der Kontakt abgebrochen ist. Doch nein. Es gibt diese Freundschaften, man verliert sich aus den Augen, man bekommt ein Kind oder hat einen neuen Partner. Doch ich weiß, dass Freundschaft Arbeit bedeutet, vor allem wenn die beste Freundin nicht der Nachbar oder Mitbewohner ist. Du kannst nicht einfach klopfen oder auf einen Kaffee vorbei gehen. Aktive Teilhabe, Anrufe und Nachrichten - und das heißt Zeit.


Kostet es denn etwas, ein kurzes Hallo, ein wie gehts oder ein ich habe an dich gedacht und wollte mich mal melden, an eine ehemalige Person, die wichtig in deinem Leben war, zu tippen. 5-8h sind wir täglich an unserem Bildschirm, surfen auf den social Media oder klicken uns durch Youtube. Also nein, es ist nicht zu viel verlangt und es kostet erst recht nichts. Aber es ist etwas gleichberechtigtes. Sowohl sie als auch du, sollten sich melden. Es gibt Zeiten die sind stressig sind, doch das sind Epochen und diese vergehen.


Es ist schlussendlich kein Verlust sich einzugestehen, dass du genug investiert hast und die andere Person einen Schritt auf dich zugehen sollte. Es ist aber auch ok zu akzeptieren, dass manche Freundschaften einfach nur zeitweilig sind und diese schön war, aber vorbei ist.


Verkaufe dich für nie für jemanden und stehe hinter deinen Entscheidungen, doch dich verdient keiner, der deine Freundschaft nicht zu schätzen weiß.

Am Ende zählt nur, wie es dir damit geht und wir brauchen niemanden, der uns nicht braucht oder nur dann, wenn es keine besser Option oder Alternative gibt.

 

Akzeptiere, dass es ok ist, dass aus Freunden Fremde werden und das es manchmal nichts mit dir selber zu tun hat.