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Quick Reminder an uns selber: Ein Plädoyer



Warum sollte ich mich schön machen? Und überhaupt, wen interessiert das schon?


Als ich letzte Woche aus dem viel zu überfüllten Zug stolperte, mir binnen von wenigen Sekunden die Maske von der Nase riss und mein Spiegelbild im Schaufenster des Buchladens anschaute, fiel mir auf, dass ich das Make-Up in der Früh vergessen hatte aufzufrischen. Entgeistert musste ich feststellen, dass die einzige Person, die das mitbekommen hat, ich selber war, denn wen interessiert das schon bzw. wer sieht mein Gesicht unter einer viel zu vereinnehmenden Maske.


Aus dieser Situation heraus, griff ich die Situation am Schopf und nutzte den Anlass ein Plädoyer zu schreiben, warum es so wichtig ist, sich selber schön zu machen.


Zurück zum Anfang.

Vor nicht all zu langer Zeit, als nun auch eine meiner letzen Freundinnen ins Homeoffice verbannt wurde, offenbarte sie mir, dass sie oft im Jogger, ungeschminkt und einem Messy Bun auf dem Kopf vor dem PC sitz und irgendwelche Daten in den Computer hämmert. Besonders wohl fühle sie sich schon lange nicht mehr, dennoch fehlt der Grund und die Motivation, die tägliche Routine, welche normalerweise in der Früh die Basis bildet, weiter fortzuführen.


Doch genau hier liegt das Problem. Gerade jetzt, genau in diesem Moment und exakt zu diesen Zeiten ist uns wohl eins am deutlichsten bewusst geworden: Selbstakzeptanz und die Tatsache, sich selber zu lieben und mit sich selber im Reinen zu sein. Probleme die vor Corona vorhanden waren, durch Arbeit vertuscht oder durch die Hektik im Alltag übertüncht wurden, sind während der Pandemie bei den meisten zum Vorschein gekommen. Die Ablenkung von außen, die Versuchung wegzurennen wurde uns genommen, doch wir selber sind noch immer da. Doch schlussendlich geht es genau darum - um uns selber, denn wir gestalten unser Leben nach den Wünschen und Bedürfnissen, welche wir etablieren. Auch wenn ich die bequemen Hosen gerne trage, Sneakers zur Normalität geworden sind und Home Wear in jedem Online-Shop den größten Anteil ausmacht, fehlen mir die bunten Kleider, die schönen Taschen, die farbenfrohen Röcke und die abwechslungsreiche Mode.


Im folgenden Artikel beschäftige ich mich deswegen mit der Frage, wieso sollte ich mich schick machen und wieso stellen wir uns diese Frage überhaupt. Denn eins ist klar, wir machen uns schön, weil wir uns schön machen und das nur für uns selber und niemanden anders. Gerade jetzt ist es umso wichtiger, sich einfach selber schön her zu richten und den Fokus auf Selfcare zu richten.

 

Vielleicht ziehe ich heute doch ein Kleid an?


Egal ob ich aus dem Haus gehe, oder nicht. Egal ob ich den Tag von Zoomcall zu Zommcall klicke oder zum Supermarkt laufe. Dank meines Hobbys, welches ich auch meinen Beruf nennen darf, ist es für mich ein Privileg und ein Grund mehr, mich jeden Tag zu stylen und herzurichten. Dennoch gibt es auch in meiner Branche regnerische Sonntage, die eigentlich mit Netflix und JunkFood verbracht werden. Vielleicht liegt es an meinem Charakter, persönlichen Eigenschaften oder der Gewohnheiten, die ich mir über die Jahre angeeignet habe - aber ein allDAY@Home gab es schon Ewigkeiten nicht mehr. Ob es ein Projekt ist, die Arbeit, Recherche, Bildproduktion bzw. Bearbeitung oder klassische Meetings - meine Tage sind immer voll, manchmal auch überfüllt - allerdings habe ich festgestellt, dass wenn ich im Pyjama aus arbeite, das Bett nicht gemacht ist und ich nicht ein bisschen an der Morgenroutine im Bad festhalte, das Business-Feeling nicht vorhanden ist bzw. überhaupt aufkommt. Deswegen gestalte ich so gut wie jeden Tag gleich (auch vielleicht, weil ich ein sehr organisierter und strukturierter Mensch bin, der die Routine benötigt).


Vielen von euch geht es dabei ähnlich - Chill ich noch, oder arbeite ich schon? Um hier zu differenzieren, benötigen wir und unser Kopf eine trennscharfe Line.

Ein bequemer Look, frisch gewaschene Haare und eine zarte Priese des Lieblingsparfums, welches die Wohnung verzaubert erscheinen uns nur als eine der wenigen Aspekte um produktiver und effektiver zu Arbeiten. Gerade jetzt, wenn ca. 80% der Bevölkerung von zu Hause arbeiten, sollten wir nicht aufhören auf unsere Bedürfnisse einzugehen und die alltägliche Strukturen beizubehalten.

 

Brauchen wir jemanden, damit wir uns schön fühlen?

Ein Kompliment hier, ein Blick da und ein Lächeln von Gegenüber fehlt uns allen. Doch um im Homeoffice gut arbeiten zu können, brauchen wir das absolut nicht. Es bedarf keiner Person, die unseren Look kritisiert oder beurteilt - nur wir selber - und das reicht vollkommen.

Leider ist die Verlockung des Hoodies mit einem Jogger dennoch riesig. Mit einem Oversize Pullover und einer Hose, die viel zu bequem und groß ist, am besten in Kombination mit einem drei-Tage-Haarstyling fühlen es nicht nur nicht nach Arbeit an, sondern wir selber fühlen uns unkreativ und antriebslos. Deswegen ist es für mich ein Muss, mich in der Früh anzuziehen und tatsächlich die Leggings im Schrank zu lassen. Meine Liebe und Affinität zur Mode baue ich in meinen alltäglichen Look ein - denn je kreativer und abwechslungsreicher ich in der Früh bin, desto motivierter bin ich auch in der Arbeit und der Produktion des Contents.


TIPPS: Probiert es doch einfach mal aus. Lasst den Hoodie im Schrank und werft euch in Schale. Ein schönes Sommerkleid, ein bisschen Mascara und voilá - vielleicht hilft es dem ein oder anderen, aus dem Alltagstrott herauszukommen.

 

Wofür?


Alleine diese Frage zu stellen und beantworten zu müssen, sollte uns zu denken geben? Nein wir brauchen niemanden um uns wohl und schön zu fühlen. Ja der Gegenüber ist sehr wichtig, alleine sind wir alle nicht gerne, aber sich schick zu kleiden, sich herzurichten ist etwas, was wir für uns machen. Mode ist eine Art sich auszudrücken, sich zu zeigen und seine innersten Gefühle/Gedanken und Bedürfnisse zu verdeutlichen.


Wenn wir früher die Promenade auf und abgelaufen sind, war der Grund wofür ich mich schön mache oder schminke ersichtlich. Doch jetzt? Von den Anderen, der Außenwelt, Freunden, Verwandten und auch den potentiellen Verehrer/innen sind wir fast vollkommen abgeschieden. Umso deutlicher wurden die Stimme, welche die Frage stellten

- Wofür? Dabei ist die Antwort doch so simple -

FÜR UNS, für mich.

Leider gab und gibt es viele Menschen, dessen einziger Gesprächspartner (während des Lockdowns) oft die Frau an der Supermarktkasse war. Klar stellen wir uns dann die Frage, warum sollte ich mich herrichten, vor allem da ich eh noch eine viel zu große Maske auf dem Gesicht tragen muss.


Doch das Schön machen und das Herrichten ist etwas ganz wichtiges. Die Selbstliebe, die Selbstakzeptanz und die Wertschätzung gegenüber uns selber und unseres Körpers ist eines der wichtigstens Dinge in unserem Leben. Es sollte nicht darum gehen, dass wir uns für jemanden oder einen Anlass herrichten, sondern weil wir es uns selber schuldig sind und wir es wer sind, dass wir uns für uns schick machen.

Es braucht kein Abendkleid um uns gut zu fühlen, aber es braucht den Blick der Selbstliebe. Um diesen Fokus nicht zu verlieren und an zermürbenden Gedanken hängen zu bleiben, bedarf es einem achtsamen Umgang mit sich selber und seinem Körper. Wie erreiche ein positives Gefühl? Was benötige ich dafür und welche Faktoren kann ich beeinflussen, damit ich mich gut fühle? Sich darüber Gedanken zu machen und sich diese bewusst zu machen, ist Heilung und Basis für ein glückliches Leben.


Und der Anfang? Ja der ist der Grund, sich für sich selber schön zu machen, sich einzugestehen das wir das benötigen und die Auswahl bzw. das Tragen von besonderere Kleidung eine Selbstverständlich- und Notwendigkeit ist.