• samtweich

Ich frage - du antwortest: Was hat dich verändert?



Das Leben ist ein Mandala

- so habe ich es viele Jahre beschrieben. Unterschiedliche Farben, Muster, vielleicht auch AussparungenW positive und negative Erlebnisse auf unserem Gesicht und in unseren Erinnerung ab.


Täglich ertappen wir uns, dass wir etwas tun, was wir vielleicht noch nie getan haben oder stecken in einer Situation fest, die wir uns vorher nicht vorstellen konnten. Was machen diese Erlebnisse mit uns und in wie fern beeinflussen uns diese Erlebnisse in der Zukunft? Manche Situationen fordern und formen uns, können belastend sein und uns an einen Tiefpunkt bringen, aus dem es einen unvorstellbaren Ausweg gibt. - ich frage und du antwortest.

 

1. Eine Ehe und eine Scheidung. 

Es war ein Mann, den ich begehrte, den ich liebte und verdammt es war eine wunderschöne Hochzeit. Ich sehnte mich nach seinen Berührungen und freute mich, wenn ich in seinen Armen einschlafen konnte. wir sollten glücklich sein und bis zum Ende unseres Lebens zusammenbleiben - so oder so ähnlich war mein Leben vorausgeplant, doch die Lügen und die Intrigen, seine Eifersucht und sein besitzergreifendes Verhalten veränderte mich.

Er machte mich krank, er nahm mir die Luft zum atmen und ich war ein Abbild von seiner Vorstellung. Er suchte nach einer Illusion und machte mich für seine Probleme verantwortlich.

Die Tage wurden länger, die Schlinge um meinen Hals wurde immer enger. Zunächst bemerkte ich das alles gar nicht, er ist eben so .. doch die Rechnung sprach Bände. Wofür gab er jeden Monat diese 10 Euro aus? Im ersten Monat überlas ich es, doch ich konnte mir nicht erklären, wofür immer 9,99€ abgebucht wurden. Ich merkte wie ich unruhig wurde und mich dieser Gedanke nicht mehr los ließ, ich sah förmlich das Problem vor meinen Augen - und genau dann sah ich es, wie die Dating-app auf seinem Handy aufbloppte.

Heute bin ich froh, dass er es so weit kommen ließ, dass ich nicht verblendet durch die Welt gelaufen bin und erkennen konnte, dass er nicht die Person ist, die ich verdiene oder in meinem Leben haben möchte.

Ja ich verdiene mehr, Ja ich bin fast 30, geschieden und packe meine Sachen, um auf die andere Seite der Welt zu ziehen. Ich mache die Schublade zu und versuche mich zu finden. Die Naivität ist überschattet von Wut. Meine traumatisierte Seele, nie wieder vertrauen zu können, klafft wie eine offene Wunder auf. In manchen Momente habe ich nur funktioniert und mein Leben von außen an mir vorbei rasen sehen.

Drei Jahre später bin ich 15 kg leichter, liebe mich selber wieder mehr und habe ganz klar meine Werte für mich festgesteckt. Noch immer möchte ich eine Familie und Kinder, aber ich verdiene einen Mann der mich schätzt und mich so liebt, wie ich bin. Ist das egoistisch?

Nein - im Gegenteil, denn viel zu oft akzeptieren wir etwas, nur weil es so erwartet wird oder wir es so gewöhnt sind.

2.  Eine Diagnose und der Tod. 

Sie war erst 5, als sie die Diagnose Leukämie bekam. Meine Schwester, ein glückliches Mädchen mit blonden Haaren, die mit ihrer Puppe über den Rasen unseres viel zu großem Vorgarten rannte.

Julia brachte uns zum Lachen, denn ihr Lächeln war ehrlich. Wenn ich, zehn Jahre älter, mit ihr in der Küche stand und den Erdbeerkuchen backte, sagte sie immer:

"Was glaubst du, wie viele Erdbeeren am Ende noch übrig sind? Ich weiß es nicht, aber wir können zum Schluss gemeinsam zählen - nein nein nein, ich weiß es - ich weiß es. Keine, denn ich werde einfach alle gleich aufessen - hihi."

Sie war Zucker, sie war mein Ein und alles und ich liebte es, mit einer Tasse Kakao im Bett zu liegen und ihr die Geschichten von Pippi vorzulesen.

Es war ein normaler Dienstag, als ich beim Frühstück saß und Mutti mich rief. Du musst heute alleine zur Schule fahren, ich muss mich um deine Schwester kümmern. Seit einigen Tagen ging es ihr immer schlechter, und meine Eltern entschieden, ins Krankenhaus zu fahren. Es sollte einer der schlimmsten Tage in meinem Leben werden. Ein halbes Jahr später, sah ich meine Mutter, wie sie weinend am Bett saß und die eiskalten Hände meiner Schwester hielt. Julia war stark, doch die Krankheit war stärker.

Es sind 15 Jahre und noch immer ist ihr Geburtstag ein Tag, an welchem ich das Haus nicht verlassen kann.

Meine Mutter leidet noch immer an einer Depression und hat bis heute den Tod nicht überwunden. Die Ehe meiner Eltern ist gescheitert und ich? Ich habe mit 15 gelernt, dass ich alleine klar kommen muss. Warum uns das passieren musste, kann ich nicht erklären - Therapie hilft bis heute, denn das einzige was ich machen kann, ist darüber zu sprechen.

Ben ist mein Anker und mein Segelboot. Ich habe ihn vor drei Jahren kennengelernt und die Leere unter meiner Brust mit schönen Erinnerungen und Marmeladenglasmomenten gefüllt. Ich weiß, dass sie nie zurück kommt, aber ich weiß auch, dass sie nicht gewollt hätte, das ich ein unglückliches und unerfülltes Leben führe. Es wird einfacher und auch wenn manche Tage grau und blass sind, scheint hinter den Wolken die Sonne.


3. 11 Monate Reis. 

11:50, Zeit das Gepäck aufzugeben - für mich ging es nach China und als ich am Flughafen stand, total überfordert mit den ganzen Dokumente, wusste ich noch nicht, dass ich 11 Monate nur Reis essen werde. Morgens, Mittags und Abends - ich wollte ein Brot mit Nutella. China hat mich verändert. Menschen die an dir vorbei sprinten, ein Verkehr der eigentlich nur ein Stau ist und Kinder, die von der Nanny erzogen werden.

Meine Auslandserfahrung formte mich, machte mich zu einem anderen Menschen und zeigte mir, dass es für alles eine Lösung und einen Ausweg gibt - man muss da eben einfach durch.

Die vollkommen andere Kultur öffnete meine Augen. Vielleicht hätte ich mir sonst nie etwas zugetraut oder mich in ein unbekanntes Abendteuer gestürzt, doch abgesehen davon, dass ich nie wieder Reis essen kann, es mir nach den 11 Monaten zu den Ohren rausgekommen ist, sollte jeder die Welt durch seine Brille sehen und offen für neues sein. Es hilft, Verständnis aufzubauen und Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Peking ist eine Metropole und das Umland ein Arzneimittel für die Seele. Die Natur gibt dir das zurück, was du benötigt, Luft zum atmen und Energie zum denken.


Welches persönliches Erlebnis hat dich verändert?